Hochtouren

Berichte und Wissenswertes

Berichte und Wissenswertes

Wir berichten in Auszügen über das Erlebte in den letzten Monaten.

Weißkugel und drum rum

8. – 11. August 2022
„Hütte geschlossen wegen Wassermangel“, „Zermatter Bergführer stellen Touren auf das Matterhorn ein“, „Kühlschrankgroße Felsbrocken am Mont Blanc“…. diese und ähnliche Schlagzeilen beherrschten die Meldungen in den alpinen Foren im Hochsommer 2022. Wenig Schnee im Winter, die ungünstige Schicht Saharastaub und sehr früh im Jahr relativ hohe Temperaturen ließen das Eis dahin schmelzen wie selten zuvor und stellten die Hochtourengeher vor unerwarteten Problemen. Am Samstag vor unserer Tour erschien dann auch noch diese Meldung in meinem News Feed: „Bergführer raten von Tour auf Weißkugel ab.“ Alles in allem also hervorragende Voraussetzungen für unsere geplante Tour auf und rund um die Weißkugel – *Ironie off*.  Nun ja, geplant war das Ganze als Gletschertrekking von einer Hütte zur anderen, kreuz und quer über den Gepatschferner mit dem Highlight Weißkugel. Nachdem aber am vermeintlichen Anreisetag gleich eine sehr lange Tour auf dem Programm gestanden hätte und das Wetter ziemlich miserabel für diesen Tag vorhergesagt war, wurde die gesamt Tour kurzerhand komplett umgeplant: Statt Hüttentrekking nur noch eine stationäre Hütte, nämlich die Weißkugelhütte und das Ganze auch noch um einen Tag gekürzt. Immerhin freut sich dann das Kreuz, wenn es meist nur Tagesgepäck und nicht jeden Tag das ganze Geraffel schleppen muss.

Somit reisten wir, das waren Christof, der die Tour führte, Ronny und Martina, gemütlich einen Tag später als ursprünglich geplant statt ins Kaunertal über den Reschenpass ins Langtauferer Tal. Herrlich blauer Himmel, unten sattes Grün, oben leicht bräunliche Wiesen und viel Blankeis prägten die ersten Eindrücke am Talende. Einige hundert Meter vor der Hütte wies eine eigens dafür aufgestellte Tafel darauf hin, dass man hier zum letzten Mal Handyempfang habe. Tja, das sind heutzutage die wirklich wichtigen Informationen :- )). Zur Akklimatisierung wählten wir am gleichen Tag noch eine kleine Rundtour über den Hausberg, den Schmied (3122 m) und dem Adlerkopf, der besser Bartgeierkopf heißen sollte, denn letztere gibt es tatsächlich in der Gegend, wohingegen man Adler eher vergeblich sucht. Die erste Hochtour führte uns dann am nächsten Tag auf die Weißseespitze. Auch hier wählte Christof eine schöne Rundtour über das Falgintal, dem gleichnamigen Ferner, der aber nur noch Toteis ist und dem Westgrat hoch zum… ja zu was eigentlich? Von „Gipfel“ kann eigentlich keine Rede sein, eher eine große, ziemlich flache Eisfläche, wo man die höchste Stelle eher erahnen kann. Die topographische Karte spuckt da „ca. 3510 m“ aus und müsste diesen Sommer vermutlich alle paar Wochen korrigiert werden. Etwas tiefer wurde aber netterweise auf felsigen Untergrund ein Gipfelkreuz aufgestellt, damit der gemeine Bergsteiger wenigstens weiß, wo er Brotzeit machen kann. Mal schauen, wie lange es noch dauert, bis das Kreuz wirklich die höchste Stelle sein wird. Zurück ging es dann über den fast ausschließlich aperen Gepatschferner, seines Zeichens immerhin der zweitgrößte Österreichs. Wie zu erwarten plätscherte und gluckerte es fast überall und man musste mal wieder mehr aufpassen, sich keine nassen Füße zu holen, als in Spalten zu fallen. Für den Weg zurück zur Hütte sollte man besser große Steinmanderl und Linien in schnell veralteten Karten ignorieren und stattdessen der Spur des Wassers folgen. Genau oberhalb der Stelle, wo das Schmelzwasser beeindruckend zu Tale stürzt, beginnt der Richterweg, ein kleines versichertes Steiglein, das zurück zur Weißkugelhütte führt.

Für den nächsten Tag war dann eigentlich die Weißkugel vorgesehen, wie aber eingangs schon erwähnt, sprach viel dagegen und wenig dafür, diesen Gipfel in Angriff zu nehmen. Den Firnbrücken auf dem Hintereisferner traute man schon seit einigen Tage nicht mehr so recht und wie man hörte, hatten eigentlich alle Seilschaften, die von dieser Hütte starteten, dann doch abgebrochen. Stattdessen wollten wir es dann mit der Langtauferer Spitze versuchen, die vis-a-vis der Weißkugel steht und über einen Grat mit der Weißkugel verbunden ist und somit anfangs den gleichen Zustieg hat. Der Langtauferer Ferner liegt zumindest in den Morgenstunden noch im Schatten, so dass einerseits noch einiges an Schnee lag und andererseits die Firnbrücken in einem etwas stabileren Zustand sein sollten. Die Querspalten in diesem Ferner waren allerdings gewaltig und durchaus respekteinflößend. Umso unverständlicher wie hier dann ein Einzelgänger alle Ratschläge ignorierend tatsächlich Richtung Weißkugel aufbrechen konnte. Offensichtlich geht er davon aus, dass ihn sein Hund im Zweifelsfall Hilfe holen kann?! Naja, muss jeder selber wissen. Vom Weißkugeljoch wäre es dann „nur“ noch den Grat hoch zum Gipfel gegangen. Leider stand uns hier ein kleiner Felsaufschwung im Weg. Der Fels war wenig vertrauenserweckend und wirklich gut sichern ging auch nicht. Nach zwei vergeblichen Anläufen da irgendwie drüber oder dran vorbei zu kommen, gaben wir auf und erklärten das Joch zum heutigen Ziel. Immerhin war es da windstill und warm und somit ein viel geeigneteres Plätzchen zum Rasten als ein zugiger Gipfel *Smile*. Am Rückweg machten wir noch einen ausgiebigen Stopp am Gletschertor bzw. dem imposanten Gletscherbruch mit Eisbrücke.

Am nächsten Tag hieß es dann schon Abschied von der urigen Weißkugelhütte nehmen, die so wohl ihre letzte Saison erlebt hat, weil eine neue Hütte auf der anderen Talseite entstehen soll, die dann nur noch per Heli versorgt werden kann... So viel zum Thema Nachhaltigkeit und so…

Die Lehren, die man aus diesem Sommer ziehen sollte:
Hochtouren früher im Jahr planen und im Hochsommer besser auf normale Berg- oder Klettertouren setzen. Gedruckte Karten in Gletschergebieten sind wahrscheinlich schneller veraltet als die Druckertinte zum Trocknen braucht und wer das „ewige Eis“ noch sehen will, sollte sich beeilen. Früher als es uns lieb ist, wird es das wohl nicht mehr geben.

Vielen Dank an Christof, der mehr als nur einmal umplanen musste und dennoch war es ein sehr gelungener Ausflug ins Langtauferer Tal. Und das Gegrummel im Magen ist schon längst wieder vergessen (sorry, Insider ;- ).

Martina

Klettersteige rund um und auf die Marmolada

23.-26.06.2022, Südtirol
Zum Auftakt der Hochtourensaison ging es in die wunderschönen Dolomiten. Da dort der Gletscheranteil bekanntermaßen überschaubar ist, war es ein Klettersteigausflug mit ein bißchen Eisschnuppern.

Fünf Ferrata-Freunde unter Führung von Stefan machten sich Ende Juni auf zum Rifugio E. Castiglioni Marmolada, welches idyllisch am Lago di Fedaia liegt und bequem mit dem Auto erreichbar ist – tja, es gibt unangenehmere Hüttenzustiege. Das Wetter war für die ersten zwei Tage leicht instabil vorhergesagt, so dass wir uns am Anreisetag nur noch eine wenig die Beine mit einer Höhenwanderung vom Rifugio Padon zum Rifugio Luigi Gorza vertreten wollten. Auf dem Weg bewegt man sich vis-a-vis des Marmolada-Massifs, welches sich jedoch immer wieder in Wolken versteckte. Am nächsten Tag stand dann ein Stockwerk höher der Via Ferrata delle Trincee auf dem Programm, ein D-Klettersteig, der sich laut Beschreibung durch glatten und griffarmen Felsen im dunklen Konglomeratgestein auszeichnet. Und tatsächlich, gleich am Einstieg ging es senkrecht eine glatte Wand hoch, in der man mit viel Glück ein paar Dellen im Felsen für die Füße fand. Also gut, die Devise lautet also: Ran ans Seil, Füße auf Reibung gegen die Wand stemmen und mit viel Schmackes aus den Armen hochziehen. An dieser Stelle frage ich mich dann immer wieder, wie man auf die Idee kommt, an solchen eher ungeeigneten Stellen einen Klettersteig zu bauen?? Ein paar Italienischkenntnisse würden hier aber schnell weiterhelfen: Trincee bedeutet Schützengraben und tatsächlich wurde das Gros des Steiges im Ersten Weltkrieg von Österreichischen Streitkräften gebaut und da hatte man natürlich wenig Sportliches im Sinne. Der Steig folgt dem Grat zwischen den wenig ausgeprägten Gipfeln Mésola und Mesolina und bleibt bis auf die letzten Meter sehr „seillastig“. Spannend sind jedoch die immer wieder auftauchenden Reste der gemauerten Kriegsstellungen, Stollen, Luken und Schießscharten. Ganz am Ende kommt dann tatsächlich auch noch ein 300 m langer Stollen, in dem man sich mit Nebenstollen in Raumgröße fast verlaufen kann.

Das unsichere Wetter war dann ab Tag 3 passe, was die Vorfreude auf die Königstour auf die Marmolada steigen ließ. Geplant war die Tour als Überschreitung mit Aufstieg über den Westgratklettersteig und Abstieg über den Normalweg. Schönes Wetter und Wochenende, da waren wir natürlich nicht alleine unterwegs. Immerhin zogen die meisten Karawanen zunächst Richtung Normalweg, so dass wir zumindest am Anfang nicht gleich im Stau standen. Der Westgratklettersteig beginnt nach der Querung des Vernelgletschers, der schon großteils aper war und Aspiranten des Dolomiten Höhenwegs 2 ohne Steigeisen durchaus Schwierigkeiten bereitete. Durch den starken Rückgang des Gletschers fängt der Eisenweg schon unterhalb der Sforcela de la Marmolèda an und auch hier greift man wieder sehr gerne ins Seil, weil der Abschnitt ständig feucht ist und somit mega rutschig. In der Scharte beginnt der eigentliche Steig und mal wieder geht es sehr lange plattig steil nach oben. Hier wurde das Problem mit viiieelen Steigbügeln gelöst, so dass sich die Schwierigkeit in Grenzen hielt, lediglich das ganze Hochtourengeraffel im Rucksack zog doch ordentlich nach unten, so dass man dann gepaart mit der dünner werdenden Luft doch ganz schön ins Schnaufen kam. Auf halber Strecke neigt sich dann das Gelände immer weiter, so dass am Ende gemütliches Gehgelände angesagt ist, bis man dann auf einen Ameisenhaufen an Menschen rund um das Gipfelkreuz (3343 m) und die Gipfelblechschachtel, alias Rifugio Capanna Punta Penia trifft. Anstellen fürs Gipfelbild war angesagt und dann schnell rein in die Hütte, um sich den selbstgebackenen Apfelkuchen vom Hüttenwirt nicht entgehen zu lassen. Runter ging es dann über den Normalweg, d.h. ein Stück Firn Richtung Norden, dann über ein kurze Felspassage mit Klettersteig, in dem dann ein paar Idioten ständig von hinten drängeln mussten, um dann auf den Marmoladagletscher abzusteigen. Es sind zwar nur gut 300 Höhenmeter auf Eis, für die aber die komplette Klaviatur der Gletscherausrüstung angesagt ist. Mächtige Spalten, teils noch schneebedeckt und kurze steilere Abschnitte machen Steigeisen, Pickel und Seil obligatorisch. Die Drängeltruppe aus dem Klettersteig meinte wohl, Grödel würden ausreichen und so konnten wir zusehen, wie die im Schnee mehr schlecht als recht umher stolperten. Den letzten steileren Blankeisabschnitt umgingen wir elegant, in dem wir uns für die zweite, nach rechts abzweigende Spur entschieden, die über blankgeschliffene Felsterrassen nach unten führte. Im Nachhinein ein sehr komisches Gefühl, weil in etwa das der Teil auf dem Gletscher war, der nur eine Woche später unter einer Geröll- und Eislawine begraben wurde. Das hier schon vor zwei Jahren Naturgewalten am Werke waren, konnten wir bereits erkennen, kurz nachdem wir die Steigeisen ausgezogen hatten und am Rifugio Pian die Fiacconi ankamen, besser gesagt an dem was davon noch übrig war: Die Hütte und die Liftstation wurden im Winter 2020 von einer Lawine erfasst und ließ nur noch einen Haufen Trümmer übrig. Von da war es dann noch eine knappe Stunde Abstieg bis wir uns dann endlich den ein oder anderen wohlverdienten Aperol bzw. Bombardino gönnen durften.

Am letzten Tag ging es dann zunächst mit Liftunterstützung zum Vallon Klettersteig. In diesem Steig hing das Seil meist eher schlapp und wenig vertrauenswürdig herum, dafür gab es Griffe und Tritte en masse, so dass man endlich mal von Klettern sprechen konnte und das Seil wirklich nur zum Einhängen benötigte. Man musste nur aufpassen, dass man das viele lose Geröll nicht versehentlich dem Nachsteigenden aufs Dach schubste. Mit Wasserfall und Seilbrücke ein kurzer aber netter KLETTERsteig, den wir fast für uns hatten. Die Tour führte uns weiter zunächst durch eine Mondlandschaft dann über einen überraschend luftigen Grat zum Piz Boe (3151 m). Auch dort waren wir natürlich ganz alleine…(Ironie off, ich sage nur Sonntag, schönes Wetter und Gondel in nicht allzu weiter Entfernung…). Egal, trotzdem ein schöner Aussichtsberg mit direktem Blick auf die Königin der Dolomiten und der Tour vom Vortag. Weiter ging‘s dann über den Lichtenfelser Weg mit Überquerung der Eisseespitze zu einem weiteren kleineren Steiglein und zurück zur Liftstation. Letztendlich eine sehr schöne Rundtour, die den Ausflug in die Dolomiten würdig abschloss. Vielen Dank an Stefan für die sehr schönen und abwechslungsreichen Touren.

Autor: Martina

Hochtour im Stubaital

Vom 10.08.-15.08.2021 waren Annette, Lydia, Verena und ich im Stubaital unterwegs. Anscheinend ist es für Manche ein noch ungewöhnlicher Anblick, wenn vier Frauen zu einer Hochtour aufbrechen.

Beim Aufstieg zur Nürnberger Hütte kam uns ein älterer Mann entgegen, musterte uns verwundert nacheinander und sagte erstaunt: „Vier Damen, ganz alleine – ohne Beschützer?“ Jetzt waren wir verwundert. Leben wir denn wirklich noch in einer Zeit, in der Mädels nicht alleine auf Hochtour unterwegs sein können? Dann ist es wohl an der Zeit, dass wir das Gegenteil beweisen;-)  

Die erste Nacht unserer Tour verbrachten wir dann auf der Nürnberger Hütte und stiegen am folgenden Tag zum Wilden Freiger auf. Vom Signalgipfel aus über den drahtseilversicherten Grat erreichten wir den Gletscher, der zur Müller-Hütte führt. Zur Begrüßung gab es an der Müller-Hütte einen selbst angesetzten Schnaps vom Hüttenwirt. Überhaupt war die Atmosphäre in der urigen Hütte toll und dafür, dass die Hütte auf über 3000 Höhenmetern liegt und mit dem Hubschrauber versorgt wird auch kulinarisch ein Highlight.  

Am nächsten Tag ließen wir es ruhiger angehen und machten eine kleine Tour zur Sonnklarspitze. Nach einer kurzen Überquerung des Gletschers kraxelten wir im Blockgelände hinauf zum Berggipfel. Schwierigere Passagen wurden super von Lydia abgesichert, sodass wir uns alle wohl fühlten und auch das Wetter war grandios, sodass kein Grund zur Eile bestand. Wir gönnten uns eine ausgiebige Mittagspause im Sonnenschein. Bereits gegen 14:30 Uhr waren wir zurück an der Hütte und genossen auf der Terrasse das schöne Wetter, das fantastische Bergpanorama und den Kaiserschmarrn. Am Abend gab es noch ein besonderes Ereignis: zwei Männer aus dem Stubaital versuchten den Rekord für die Stubai-7-Summits zu brechen und passierten im Licht der untergehenden Sonne auf ihrem Weg vom Wilden Pfaff zum Wilden Freiger den Gletscher unterhalb der Müller-Hütte. Alle Gäste auf der Hütte gröhlten und feuerten die Männer an. Im Endeffekt haben die beiden Stubaier 127 km und 11.000 Höhenmeter in 38 h zurückzulegen (ohne zu schlafen!). Eine Wahnsinnsleistung, aber wir vier sind uns einig, dass wir lieber gemütlich unterwegs sind und uns ausreichend Zeit nehmen wollen, um unsere Zeit in den Bergen zu genießen.

Nach dem etwas gechillteren Tag stand am Freitag die Überschreitung des Wilden Pfaffs auf dem Programm. Auch hier gab es einige Kraxel-Stellen. Unterhalb vom Zuckerhütl querten wir über den Sulzenau Ferner zum Pfaffenjoch. Von dort verlief der Weg durch ziemlich bröseliges Gelände. An der Seilbahnstation am Fernaujoch stiegen wir über die letzten, kläglichen Reste eines Gletschers zur Dresdener Hütte ab. Nach einem Hauch von Bergeinsamkeit und der kulinarisch tollen Versorgung auf der Müller-Hütte erwartete uns auf der Dresdener Hütte, welche direkt in einem Skigebiet an einer Seilbahnstation liegt, eher Massentourismusflair mit mittelmäßigen Essen und Turnschuhtouristen. Nun ja, zumindest die warme Dusche tat gut und es gab einen Wasserspielplatz, wo wir unsere Steigeisen waschen konnten.

Am Samstag machten wir uns auf den Weg zur neuen Regensburger Hütte mit 12.8 km die längste Etappe unserer Tour. Da es sich um einen normalen Wanderweg handelte, trugen wir unsere Hochtourenausrüstung quasi „zum Spaß“ durch die Gegend… Der Weg war daher zwar etwas zäh, aber landschaftlich sehr schön mit einem tollen Blick zurück auf die Berggipfel, die wir während unserer Tour bezwungen hatten. Wie schon die ganze Woche war das Wetter großartig und wir genossen zusammen ein Bad in einem einsamen Bergsee. Das letzte Stück zur Regensburger Hütte führte durch ein wildromantisches Hochmoor, sodass ich mich fast schon wie nach Skandinavien versetzt fühlte.

Erschöpft, aber voller schöner Eindrücke und Erlebnisse erreichten wir am späten Nachmittag die Hütte, die zum würdigen Abschluss für unsere rundum gelungene Tour mit einem Grill-Buffet auf uns wartete. Es wurden Steaks, Grillgemüse und Salate aufgetafelt und wir schlugen uns die Bäuche voll (der Kaiserschmarrn zum Nachtisch hat selbstverständlich auch noch reingepasst ;-) ). Bei einigen Schnäpsen und mit Blick ins Tal ließen wir unsere Hochtouren-Woche ausklingen.

Vielen lieben Dank an Lydia für die Organisation und tolle Durchführung der Tour!

Steffi Albrecht

Gletschertrekking am Aletschgletscher

30. Juli 2021

Ich packe meinen Rucksack und nehme mit: Meinen Impfpass, eine Maske, meinen fetten Schlafsack…?!? Tja, was man anno 2021 nicht so alles auf dem Schirm haben muss…

War der Andrang letztes Jahr für die gleiche, aber nicht stattfindende Tour noch recht hoch, so fanden sich dieses Jahr erstaunlicherweise nur noch drei Eis-Enthusiasten ein, die unter Führung von Sebastian das UNESCO Welterbe Aletschgletscher erkunden wollten. Nach etwas längerer Anreise mit Auto, Bahn und Bus trafen wir schließlich auf der Fafleralp im Lötschental ein. Die Reisestrapazen waren aber angesichts des sehr leckeren Walliser Menüs bestehend aus einem Fleischplättli, einem Raclette mit dreierlei Käse und einem Zwetschgensorbet sehr schnell vergessen – was für ein Einstand für eine Hochtour! Während die meisten kommerziell geführten Touren sich mit der Jungfraubahn auf das gleichnamige Joch hochkatapultieren lassen, wollten wir uns jeden Höhenmeter selber verdienen. Somit startete die Tour am nächsten Tag über den Langgletscher hinauf zur Lötschenlücke über der die Hollandiahütte auf 3240 m thront.

Der vom Tal hinaufziehende Nebel sorgte nur kurz für eine mystische Szenerie, ansonsten hatten wir bis zum Mittag perfektes Tourenwetter und konnten somit auf der Terrasse vor der Hütte den ersten Apero und ein paar Sonnenstrahlen genießen. Das Wetter sollte dann schon im Laufe des Nachmittags schlechter werden, so dass wir es beim Hüttenaufstieg beließen.

Für den nächsten Tag war Dauerregen oder eher Dauerschneefall vorhergesagt mit einer kleinen Chance auf Wetterbesserung zum Nachmittag. Daher gönnten wir uns ein spätes Frühstück und brachen erst am späten Vormittag auf, um den einzig geplanten Gipfel der Tour, die Äbeni Flue (3962 m) anzugehen. Vorbei an einer riesigen Spalte stapften wir bei wenig Sicht durch den leider sehr weichen Schnee. Da man bei fast jedem Schritt bis zum Knie versank, musste man gefühlt die doppelte bis dreifache Hubarbeit verrichten, weshalb wir leider nur sehr langsam vorankamen. Letztendlich mussten wir dann gut 160 mH unterhalb des Gipfels kapitulieren, da es sonst zeitlich wohl sehr knapp mit dem Abendessen geworden wäre –man muss ja schließlich Prioritäten setzen ?. Naja, die Fernsicht betrug zu diesem Zeitpunkt nicht viel mehr als 30 m, so dass der Verzicht auf das Gipfelerlebnis nicht ganz so schwerfiel.

Am nächsten Tag begrüßte uns dafür ein traumhaft schöner Sonnenaufgang mit Restnebel über dem Konkordiaplatz und ansonsten einem tadellosen blauen Himmel. Vorbei an der mächtigen Nordflanke des Aletschhorns ging es daher auf angenehm angefrostetem Firn hinunter zum Konkordiaplatz (ca. 2700 m). Dort treffen die drei Eisströme Grosser Aletschfirn, Jungfraufirn und das Ewigschneefäld (nein, kein Tippfehler) aufeinander und fließen dann als Aletschgletscher in südlicher Richtung ab. Hier kann man sich über ein sensationelles 360° Eispanorama erfreuen und als Zugabe der freie Blick auf die Jungfrau. Genaugenommen kommt noch ein vierter Gletscher, der Grüneggfirn dazu, aber dieser ist nur noch ein Schatten seiner selbst und fördert in erster Linie Felsbrocken, Maulwurfshügel (sorry, kleiner Insider) und Geröll ins Tal. Auf dieser Höhe war das bißchen Schnee vom Vortag schon wieder geschmolzen und die größte Gefahr bestand nicht darin in eine Spalte zu fallen, sondern sich in einem der dutzenden Schmelzwasserbächen nasse Füße zu holen. Bevor wir die gut 340 Treppenstufen hoch zur Konkordiahütte in Angriff nahmen, machten wir noch einen Schlenker über besagten Grüneggfirn hoch zur Grünhornlücke (3279 m), um dem Finsteraarhorn sozusagen vis-a-vis gegenüberzustehen - okay nicht ganz, wir waren natürlich fast 1000 mH tiefer als der Gipfel. Am letzten Tag ging es von der Konkordiahütte wieder runter aufs Eis, diesmal allerdings über einen normalen Steig und nicht über die schnöden Treppen. Dankenswerterweise konnten wir uns den ganzen Tag über „frei bewegen“ wohingegen alle BF-geführten Touren hier - warum auch immer - schon anseilten. Die zwei Mittelmoränen erweckten den Eindruck, man bewege sich auf einer dreispurigen Gletscherautobahn, wobei man mal links mal rechts der „Fahrbahnmarkierung“ die besseren Gehbedingungen vorfindet. Einige Gletscherbäche verschwanden urplötzlich in beeindruckend tiefen Löchern, aber nur wenige Meter später gluckerte schon wieder frisches Schmelzwasser auf dem Eis herum. Kurz vor den „Gletscherlandungsbrücken“ unterhalb des Eggishorns, wo die Gletschertouristen in Massen aufs Eis geführt werden, türmten sich die Eisberge noch einmal meterhoch auf, was der Tour zusammen mit dem imposanten Gletschertor, wo der Märjelenbach ins Eis hineinfließt, einen maximal würdigen Abschluss verschaffte. Der Rest ist dann schnell erzählt: Steigeisen runter, rauf zur Gletscherstube, durch den 1 km langen Fußgängertunnel (!) des Tälligrats und bis zur Fiescheralpe. Hier standesgemäß Röschti essen und anschließend extrem gechillt 20 Fränklis in ein Ticket für die Seilbahn investieren, um sich 1100 Höhenmeter im Abstieg und somit auch den zugehörigen Muskelkater zu ersparen ?. Der anspruchsvolle Alpinist mag die Nase rümpfen, weil es halt „nur“ ein Gletscherhatscher ist, aber landschaftlich sensationell und einfach nur empfehlenswert. Vielen Dank an Sebastian, dass die Tour im nun dritten Anlauf trotz etwas magerer Beteiligung geklappt hat.

Autor: Martina

Eisklettern Pitztal Taschachschlucht

17. Februar 2020 - 18. Februar 2020, Mandarfen.

Am Montag früh ging es vom Park and Ride Memmingen Süd ins Pitztal. 

Da es Tage davor schon viel zu warm war für die Jahreszeit und es im Allgäu eher nach Felsklettern als Eisklettern aussah, war nicht ganz klar welche Eisverhältnisse uns vor Ort erwarten würden.Um ca. 9.00 Uhr im Pitztal angekommen fanden wir in der Taschachschlucht dennoch gutes Eis zum Klettern.

Am ersten Tag erklärte Holger nach den ersten Eigenversuchen, die verschiedenen Techniken wie die Paralleltechnik oder Diagonaltechnik. Zudem auch einige Tipps und Tricks wie man sicher steht und die Eisgeräte(keine Pickel ?) schwungvoll aus dem Handgelenk richtig in Eis hämmert. Wir konnten den Tag gut nutzen sodass wir nahezu bei Sonnenuntergang gegen 17.00 Uhr zu unserer Unterkunft dem Romedihof in Imst aufbrachen. Die Unterkunft war sehr schön gestaltet, mit günstigem Bier ausgestattet und nach dem Ein oder anderen Kampf mit den Bettlaken brachen wir zum Abendessen auf.

Am zweiten Tag waren wir anders als beim ersten Tag im vorderen Teil der Taschachschlucht wo uns eine Blumenkohlwand aus Eis und andere knifflige Routen erwarteten. An diesem Tag konnten die Neulinge von Anfang an die neu erlernten Techniken anwenden und verbessern und die erfahrenen ihre Technik und ihr können erneut unter Beweis stellen. Es wurde auch fleißig das Schrauben geübt und die Standplatzbasics von Holger erläutert.

Erwähnenswert sind natürlich auch die Drytoolingversuche an beiden Tagen, indem kein Unterarm vor dem Zugehen bewahrt wurde und das ein oder andere Eisen Funken schlug. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Holger für die genialen zwei Tage und die super Organisation! Der ein oder andere wird hierdurch sicherlich ein neues Hobby entdeckt haben sei es am Eis oder mit voller Ausrüstung am Fels. ?

Autor: Yannick Waletzek

Sagra dei Crotti 2019

06. September 2019 - 08. September 2019, Chiavenna.

Dieses Jahr ging es wieder nach Chiavenna zur Sagra dei Crotti. Was mittlerweile Tradition sei, so ließ ich mir das sagen. Das Fest, welches Freitagabend – Sonntag stattfindet, ist für eine Menge guten Wein, leckeren in den Grotten gereiften Käse oder leckere Wurst und für seine eindrückliche Landschaft bekannt. Dementsprechend schön und lustig waren die Abende.

Überzeugt hat in diesem Jahr wohl die Grotte, die am Ende des Abends gar nicht aufhören konnte uns mit seinen feinen Speisen zu beglücken.  Tagsüber fanden sich unterschiedliche Gruppierungen anhand der gewünschten Aktivitäten zusammen. Von einer wohl sehr gelungenen Mountainbiketour mit Einkehr, über Mehrseillängenkletterei am Wasserfall in der Nähe des Campingplatzes, bis zur Stadtbummelei in der vermutlich keine Geldbörse mehr sicher war, war doch so einiges geboten. ?

Letztendlich sei gesagt war es ein schönes Wochenende mit dem ein oder anderen nassen Zelt am Ende(Das Flamingo-Zelt war trocken, siehe Bild). Zuletzt sei gesagt, das Fest hat sich meiner Meinung nach zu Recht als Tradition bewährt.

Autor: Yannick Waletzek

Hochtour Gran Paradiso

31. August 2019 - 05. September 2019, .

Dieses Jahr ging es unter der Leitung von Stefan in den ältesten Nationalpark Italiens: Den Gran Paradiso.

Mit dem Ziel natürlich den Gran Paradiso mit seinen 4061m zu besteigen. Die Anreise begann für die einen bereits am Freitag für die anderen in der Nacht zum Samstag. Vor Ort traf dann die T5 Fraktion auf die Nachtschwärmer an einem Wanderparkplatz im Hochtal Valsavarenche. Von dort ging es am gleichen Tag auf die erste der beiden Hütten „Rifugio Chabod“ auf 2750m. Eine kleine Hütte, die aber dennoch viel Platz bieten konnte für viele die den Gran Paradiso besteigen wollten. Wir ließen den Tag an der Hütte ausklingen bei gutem Essen, dem ein oder anderen „Panache“ und natürlich gutem „Vino del Cassa“. Am nächsten Morgen ging es dann bereits schon früh los. Das Ziel war das „Biwack Sberna“ welches auf Rund 3414m liegt. Hier konnten wir bereits nach kleinem gekraxle über Felsblöcke die Steigeisen aufschnallen und später am übrig gebliebenen Gletscher als Sechser Seilschaft gehen. Durch den Gletscherschwund war es uns leider nicht möglich das Biwack zu erreichen und wir fokussierten uns dadurch auf die Tipps und Tricks von Stefan, mit dem Gehen von Steigeisen und simulierten die ein oder andere Situation am Gletscher ?.

Der Tag endete wieder gegen Nachmittag an der Hütte bei gefühlt 20 Runden Offiziersskat, Mau-Mau und dem ein oder anderen Nickerchen um Kraft zu tanken oder Schlaf nachzuholen. Nach zwei Nächten auf dieser Hütte sollte es bereits am nächsten Tag zur zweiten Hütte der „Rifugio Vittorio Emanuelle II“ auf 2735m über einen Panoramaweg gehen. Nachdem wir am nächsten Tag an der zweiten Hütte ankamen und uns mit Kaffee versorgten, gingen wir bereits schon die erste Strecke des Gran Paradiso Normalweges. Aufgrund der Wetterlage beschlossen wir am nächsten morgen bereits die Tour zum Gran Paradiso über den Normalweg zu gehen.

Früh am Morgen ging es am Dienstag über den bereits bekannten Weg zum Gletscher. Am Anseilplatz wurden wieder Steigeisen, Pickel und Gurt ausgerüstet. Nach dem Anseilen ging es dann über eine bereits ausgetretene Firnstrecke zum Gipfel. Unterwegs gab es beeindruckende Gletscherlandschaften mit 2-3 Spalten und wunderschönen Panorama. Das Wetterglück war vollkommen auf unserer Seite, so konnte man am Himmel weit und breit keine Wolke entdecken und die Fernsicht auf die Großen, wie den Mont Blanc, war permanent gegeben. Kurz vor einer kleinen Gipfelkletterei im zweiten Grad gab es noch eine kurze 40 Grad Mischung aus Eis und Firn zu überwinden. Und Schwups stand man neben der schick dekorierten Madonna auf dem Gipfel. Weit und breit bis auf ein Nebelmeer Richtung Turin im Südosten keine Wolke zu sehen. Leider wurde der Genuss durch eine andrängende Herde unterbrochen und man konnte von Glück sprechen „nur“ fünf Minuten auf dem Gipfel verbringen zu dürfen. Beim Abstieg wurde wieder die ein oder andere Spalte übergangen und an den Besten und entspanntesten Ausblicken gerastet. An der Hütte angekommen immer noch bei bestem Wetter konnte man den Tag wieder bei Panache oder Rotwein Revue passieren lassen.

Am letzten Tag auf der Hütte wollten wir noch den Gipfel „Tresenta“ auf 3609m besteigen. Allerdings war dieser ebenso durch den Gletscherschwund, nur durch bröckeliges und rutschiges Gestein bis zum Gipfel machbar. Darum entschieden wir uns in einer Scharte in die Sonne zu setzen. Der Abstieg ging dann durch abenteuerliche Wegfindung über Gletscher und Fels zurück zur Hütte. Letztendlich stiegen wir dann am Letzten Tag, dem Donnerstag ins Tal ab. Indem die meisten sich auf die Fahrt nach Chiavenna zur „Sagra dei Crotti“ aufmachten. An dieser Stelle vielen Dank für die schönen Tage und die super Organisation der Tour!

Autor: Yannick Waletzek

Hochtouren um Kandersteg

06. Juli 2019 - 11. Juli 2019, Berner Oberland.

Hochtouren um Kandersteg

Müsste man diese Tour mit Hashtags versehen, mir würden gleich ein paar einfallen: #Bachüberquerung #Geröllhaufen #EssenbisderBauchspannt #perfektesRegenTiming #lilaBlümli

Aber beginnen wir von vorne. Der Wecker klingelte um 4 Uhr! Viel zu früh, stand doch nur der Hüttenanstieg an.

Da wir (das waren Martina, Markus und Holger) aber den am Nachmittag vorhergesagten Gewittern und Regen aus dem Weg gehen wollten, blieb uns fast nichts anderes übrig, als mitten in der Nacht Richtung Berner Alpen aufzubrechen. Anfänglich mit der Seilbahn, dann gemütlich am Daubensee entlang, an „kalbenden“ Schneefeldern vorbei und zum Schluss steil ansteigend zur Lämmerenhütte (2502 m) hinauf, die für drei Tage unser Quartier werden würde. Die Hütte sitzt auf einem kleinen Hochplateau oberhalb des Lämmerenbodens, zwischen den Ausläufern des Wildstrubels und des Lämmerentals. Wie erhofft kamen wir noch rechtzeitig vor dem Regen an und verbrachten den Rest des Tages mit Kuchen essen und Schlaf nachholen – es gibt sicher schlechtere Beschäftigungen...

Die erste Tour zum Eingehen sollte auf den Roten Totz (2847 m) und über den Ostgrat auf das Steghorn (3146 m) führen. Bereits kurz nach der Hütte war das Lämmerental fast durchgehend mit Schnee bedeckt, so dass wir einfach im Schnee Richtung Rote Totz Lücke emporstiegen und den eigentlichen Weg, der am Grat entlanglief, ignorierten. Nur wenige Meter vor dem ersten Gipfel überzeugte uns aber lautes Donnergrollen davon, unser Vorhaben eher möglichst schnell abzubrechen. Da der einsetzende Nieselregen aber schnell wieder aufhörte und das Gewitter südlich an uns vorbeizog, entschieden wir auf halber Strecke zur Hütte, das Steighorn doch noch in Angriff zu nehmen und zwar dem Normalweg folgend über das „Leiterli“ einem netten, kleinen, teilweise versicherten Durchschlupf durch eine Felswand. Das Steghorn erinnerte von der Form her ein wenig an den hohen Ifen und bot uns einen 1A Ausblick auf die sieben! Gipfel der nächsten Tour. Der Abstieg vom Steghorn war umso angenehmer, da wir den ein oder anderen Meter einfach auf dem Hintern sitzend den Schnee runterrutschen konnten. Zugegeben, das erste Mal eher unfreiwillig, da es aber prima funktionierte, zogen alle anderen schnell nach und hatten dabei eine Mords Gaudi. Kurz vor der Hütte setzte dann auch der nächste Regenschauer ein, was uns aber ziemlich egal war, da wir quasi schon im Trockenen waren. Das 4 Gänge Essen auf der Hütte war super lecker und es gab Nachschlag bis zum Abwinken – was leider jeden Abend zu einer gewissen Fressstarre führte…

Die vielen Kalorien konnten wir am nächsten Tag gut gebrauchen. Das Lämmerenhufeisen stand auf dem Plan, also sieben 3000er am Stück: Schwarzhorn, Rothorn, Schneehore, Chlis Schneehore, Wildstrubel, Wildstrubel Mittelgipfel und Großstrubel! Früh am Morgen machten wir uns auf. Die erste Aufgabe war es, den Gletscherbach zu überqueren, da die Brücke leider erst in der kommenden Woche installiert werden würde. Unsere Hoffnung war, dass das Schmelzwasser über Nacht nachlassen würde und wir irgendwo drüber hüpfen können. Dummerweise hatte es aber relativ viel geregnet, auch nachts noch, so dass der Wasserstand eher noch höher war als am Vortag. Es half alles nichts, Hose hochkrempeln, Stiefel ausziehen und eine erfrischende Kneippkur in der Morgendämmerung einlegen…  So, nun war wirklich jeder wach… Das nächste Highlight war das Bezwingen der Felsabbrüche des Schwarzhorns. Es sollte über zwei Leitern und einem Brett mit Tiefblick gehen. Von Weitem machte die eine Leiter schon einen sehr seltsamen Eindruck…irgendwie verdreht, so als ob man sie quasi rücklings im Überhang hochsteigen müsste… Bei näherer Betrachtung stellt sich tatsächlich heraus, dass das Teil mittig um 180° verdreht war und wie ein Kuhschwanz wackelte. Ups! Holger versuchte noch, die Stelle zu umklettern und uns nachzusichern, aber das brüchige Gestein hätte keine vernünftige Sicherung zugelassen und mit Bergstiefeln an den Füßen wäre es auch nicht so ganz trivial gewesen. Also gut, Abbruch und Plan B. Es gab früher einen anderen Weg, der anfangs über den Lämmerengletscher führt, der aber aufgrund der abschmelzenden Gletscher nicht mehr empfohlen wird. Wir machten uns also in Richtung des anderen Weges auf und stießen alsbald auf relativ neue Markierungen. Komisch, aber egal. Diesen folgend gelang man relativ einfach über den steilen felsigen Teil und querte dabei sehr idyllisch einen der vielen kleinen Wasserfälle in der Wand. Nun ja, später auf der Hütte erfuhren wir, dass die Leiter schon im vorletzten Winter demoliert wurde und der neue Weg bereits seit einem Jahr eingerichtet war – na, das hätte man uns auch vorher sagen können, wir hätten uns gut eine halbe Stunde Irrweg gespart. Nach einem kleinen, eigentlich unnötigen Schlenker über den Gletscher hatten wir dann geschwind den ersten Geröllhaufen, pardon, ich meine natürlich Gipfel in der Tasche, das Schwarzhorn (3104 m). Zum nächsten Gipfel ging es dann wieder zurück auf den Gletscher und zum Schneejoch. Um zum Joch hoch zu kommen, mussten wir ein paar Meter hoch klettern, nicht wirklich schwierig, aber jeder vermeintliche Griff erwies sich doch wieder nur als loser Brocken. Holger hatte daher so seine Mühe, eine vernünftige Sicherung aufzubauen und stopfte sein halbes Sicherungsportfolio ins bröckeliche Gestein. Danach folgte nun die Geröllhaufenparade im permanenten bergauf und bergab: Rothorn (3103 m), Schneehore (3179 m), Chlis Schneehore (3147 m) und Wildstrubel (3244 m). Ein Geologe hätte seine wahre Freude gehabt. Die Gesteinsbrocken änderten alle paar Meter sowohl die Form als auch die Farbe: Schieferartig in schwarz, braun oder ocker, mal flach, mal senkrecht geschichtet, dann wieder größere Brocken in grau, braun oder gelb…und zwischen drin, es erstaunt mich immer wieder, nette kleine lila Blümchen. Unsere späteren Recherchen ergaben, dass es sich wahrscheinlich um Polsternelken handelte, die dank langer Pfahlwurzeln auch in dieser mega tristen Umgebung noch an Nährstoffe kommen. Am „Gipfel“ des Wildstrubels – er erinnerte doch sehr an ein leicht gebogenes Geröll-Fußballfeld - meinte das Wetter endgültig auf garstig wechseln zu müssen. Uns wehte eine heftige Brise ins Gesicht und Nebel verkürzte dich Sicht auf ein paar zig Meter… ausgerechnet jetzt, wo es auf den Wildstrubelgletscher gehen sollte. Nach kurzer Peilung mit dem Kompass kamen wir aber trotzdem zielsicher am Wildstrubel Mittelgipfel an. Für die komplette Runde fehlte jetzt nur noch der Großstrubel, je nachdem nochmal 1.5 – 2 Std extra, evt mit Rückkehr zum Mittelgipfel, wenn der andere Abstieg nicht gehen sollte. Eine zweidrittel Mehrheit (? ) sorgte dann aber doch für den direkten Abstieg Richtung Hütte. Es hatte auch niemand ahnen können, dass es bereits 30 Min später wieder komplett aufreißen würde und uns die Sonne für eine Weile ins Gesicht lachte. Fürs Regentiming war die Entscheidung aber wieder goldrichtig, denn wieder kurz vor der Hütte bescherte uns Petrus etwas Nass von oben, was uns abermals nicht wirklich etwas ausmachte.

Der nächste Tag war im Prinzip nur ein Transfertag zum Berghotel Schwarenbach, den Holger mit einem Schlenker durchs „Tälli“ entlang des Engstligengrats und einem Besuch auf dem Tschingellochtighore (nein, meine Tastatur hat keinen Hänger!) ordentlich aufpeppte. Der Tschingellochtighore erfreute die Kletterfreunde mit einer Seillänge netter Kletterei. Allerdings erfolgte der Zustieg – wer hätte es geahnt – wieder durch eine rutschige, steile Schutthalde, bevor man sich dann genussvoll einen Kamin schlangenartig „hochtschingeln“ durfte… Unser weiterer Weg führte uns noch über Waldiswang und Schwarzgrätli Richtung Schwarenbach, obligatorisch mit leicht einsetzendem Regen kurz vorm Hotel…

Dass das Essen im Hotel etwas nobler sein könnte, war nicht ganz überraschend, dass es aber von allen Gängen abermals Nachschlag gab schon. Da war sie wieder, die Fressstarre nach dem „Nachtessen“, wie die Schweizer das Abendessen nennen.

Am nächsten Tag stand das absolute Highlight an, das Balmhorn und Petrus bescherte uns zur großen Freude endlich mal ein beständiges Hoch ohne Gefahr von Regenschauern. In der Morgendämmerung machten wir uns auf, um den Fuß des Chli Rinderhorns herum auf den Schwarzgletscher. Nachdem weit und breit keine Spalten zu erkennen waren, stiegen wir ohne Seil den zum Schluss gut 35° steilen Gletscher schweißtreibend zum Zackengrat auf 3034 m hinauf. Am Grat angekommen bot sich uns ein sensationeller Blick vom Wallis bis zur Mont Blanc Gruppe und lud definitiv zu einer kleinen Pause ein. Der Zackengrat war für hochalpine Verhältnisse sehr gutmütig, fast schon wie eine Autobahn, reines Gehgelände und so breit, dass man einfach entlang spazieren konnte. Nach ca. 350 Höhenmeter erreichten wir wieder vergletschertes Terrain, der letzte Aufschwung zum Gipfel. Insgesamt war dieser knapp unter 30° und somit eigentlich recht einfach aber zu beiden Seiten steil abfallend und somit doch Absturzgelände und leider gänzlich aper. Es gab somit nur zwei vernünftige Möglichkeiten entweder ganz ohne Seil oder als Seilschaft gesichert durch Schrauben. Da wir zeitlich nichts zu befürchten hatten, wählte Holger die zweite Variante und drehte ein paar Eisschrauben mit T-Blocks ins Eis. Kurz vor dem Gipfel wurde es wieder flacher, schneebedeckt und definitiv auch spaltiger. Wir mussten noch eine schmale, wenig vertrauenswürdige Schneebrücke überqueren und dann waren wir auch schon oben, auf 3697 m mit einem phantastischen Rundblick auf alles was in den Westalpen Rang und Namen hat: Eiger, Mönch, Jungfrau, Dom, Monte Rosa, Matterhorn und natürlich auch der Mont Blanc im Westen. Wir waren tatsächlich allein am Gipfel und genossen die ausgiebige Pause. Trotz bestem Wetter waren an diesem Tag außer uns nur noch zwei Einzelgeher! und eine Zweiergruppe am Gipfel, zeitlich aber so versetzt, dass jeder seine Ruhe hatte. Der Abstieg folgte der Aufstiegsroute, den ersten Gletscher teilweise am Fixseil, den zweiten bequem im weichen Firn direttissimo nach unten. Die üppige Schneeauflage reichte noch weit unterhalb des Gletscherbereichs. Doch die Freude über den bequemen, knieschonenden Abstieg im Schnee, wich bald der Erkenntnis, dass links von uns der Bach unter der Schneedecke gluckerte und uns somit auf die rechte Uferseite des Baches trieb. Blöd, dass unser Weg eigentlich links vom Bach weiter ging und die Wassermassen schon so mächtig waren, dass wir leider nicht mehr drüber springen konnten. Na gut, dann halt rechts vom Bach weiter, wohlwissend, dass uns dann wieder gute 100 mH Gegenanstieg erwarten würden. Irgendwann tauchte dann doch noch ein weiterer Weg nach links auf, der uns den Umweg evt. doch noch verkürzen würde. Doch auch hier hieß es irgendwie über den Bach kommen, denn Brücken gab es keine. Mit sehr beherzten Sprüngen schafften wir es tatsächlich trocken auf die andere Seite, der schweißtreibende Gegenanstieg zum Hotel blieb uns aber trotzdem nicht erspart.

Vom Balmhorngipfel hatten wir schon eine gute Sicht auf das Rinderhorn, das durch eine stattliche Figur glänzte und unser letztes Ziel in dieser Woche werden würde. Nun ja, der Weg auf immerhin 3449 m würde mal wieder über viel Geröll, Null Gletscher und ein bißchen Firn führen. Das Ganze müssten wir natürlich auch wieder runter und noch weiter bis zum Sunnbüel absteigen. Tja, nach der wirklichen tollen Tour aufs Balmhorn war diese Aussicht irgendwie nicht mehr ganz so verlockend. Stattdessen stieß der Gegenvorschlag mit Ausschlafen und dann noch ein wenig Sportklettern im Winteregger Klettergarten schnell auf allgemeinen Zuspruch. Manchmal ist weniger mehr ?. Auf diese Weise hatten wir außerdem unsere Kletterschuhe und Exen nicht umsonst mitgeschleppt. Beim abschließenden Einkehren konnten wir dann ein letztes Mal unsere Euros und Fränklis hin und her schachern und beendeten sechs tolle Tage in den Berner Alpen mit ca. 90 km in den Beinen und 5500 Höhenmeter gänzlich ohne Muskelkater. Da kann man definitiv von perfekter Tourenplanung sprechen. Vielen Dank Holger für eine sehr schöne Woche in der wir fast alles abgegrast haben, was das Gebiet so hergibt!

Autor: Martina Wein

Genuss-Hochtour aufs Vrenelisgärtli

20. - 21. Oktober 2018, Glarus / Glärnisch Hütte.

Der Sage nach lebte einst ein furchterregender und erbarmungsloser Berggeist in den Bergen um Glarus. Dieser hatte eine wunderschöne Tochter namens Vreneli, welche er in einem von spitzen Felsen umzäunten Garten versteckte. Nachdem er seine Tochter in flagranti mit einem Jüngling erwischte, verwandelte er diese in einen Stein und der Garten wurde von Eis und Schnee überzogen. 

Es heißt in der Sage, man könne Vreneli wieder zum leben erwecken, wenn man den richtigen Stein dreimal küsst. An einem schönen Samstag machten wir uns zu Acht auf den Weg, um das Reich des Berggeistes in den Glarner Alpen zu erkunden. Die Bilder, die wir im Internet vom Vrenelisgrätli gesehen hatten, verhießen schroffe Felswände, schmale, schwindelerregende Grate und schneebedeckte Berge. Davon sahen wir aber erst einmal nichts als wir gegen 12 Uhr den Parkplatz am Klöntaler See erreichten, denn im Tal waberten dicke Nebelschwaben umher. Der Aufstieg zur Glärnisch Hütte (etwa 1200 Höhenmeter) führte uns zunächst auf einer Fahrstraße durch einen Wald. Mit jedem Höhenmeter wurde der Nebel lichter und als wir aus dem Wald heraustraten, präsentierte sich die Bergwelt des Glärnisch in voller Schönheit. Am Ende der Fahrstraße stiegen wir über einen schmalen, steilen Pfad weiter auf und erreichten die Hütte gegen 15 Uhr – genügend Zeit um den leckeren Kuchen zu verspeisen, ein Bierchen oder Panaché (Radler) zu genießen und ein Nickerchen in der warmen Sonne zu halten. Es war übrigens der letzte Tag der Saison, an dem die gemütliche Hütte geöffnet hatte und zum Abendbrot bekamen wir alle noch reichlich Nachschlag von dem köstlichen Essen.

Nach einer angenehmen Nacht (niemand hat geschnarcht) war am nächsten Morgen gegen 7 Uhr in der Morgendämmerung Abmarsch. Bis zum Gipfel des Vrenelisgärtli waren noch etwa 900 Höhenmeter zu bewältigen. Der Weg war zunächst steil und führte an hohen Felswänden vorbei, die die Herzen der Kletterer unter uns höherschlagen ließen. Schließlich erreichten wir den Gletscher. Der Anstieg war ab hier größtenteils relativ flach und es gab eigentlich keine nennenswert großen Gletscherspalten. In der Ferne erspähten wir einige Schneehühner.

Nach einem Firnfeld erwartete uns die Schlüsselstelle der heutigen Tour, eine etwa 40 Meter hohe, fast senkrechte Felswand, die es ab zu klettern galt. Die Wand war aber mit Drahtseilen und Eisenstiften gut gesichert und nach einer Abseilaktion gelangten wir alle sicher hinunter. Der weitere Weg führte über den schmalen Schwander Grat mit Blick auf den 2000 Meter tiefer liegenden Klöntaler See zur einen Seite und dem Tödi auf der anderen Seite. Um halb 12 erreichten wir den Gipfel vom Vrenelisgärtli und konnten das traumhafte Bergpanorama unter dem fast wolkenfreien Himmel genießen. Es wehte ein kalter Wind, aber zwischen den Felsen fanden wir geschützte Stellen um uns die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen und den Ausblick zu bewundern.

Auf dem Rückweg kehrten wir noch kurz in der Glärnisch Hütte ein, welche von den Hüttenwirten gerade winterfest gemacht wurde. Es standen trotzdem noch ein paar Stücken Kuchen für uns bereit und Christof ergatterte den letzten Rösti der Saison, auf den der Rest der Gruppe etwas neidvoll schaute. Bei beginnender Dämmerung und heraufziehenden Nebelschwaden erreichten wir gegen 18 Uhr wieder den Parkplatz und machten uns auf den Heimweg. Am Ende des Sees gab der Nebel noch einmal einen Blick auf den Schwander Grat und den Gipfel des Vrenelisgärtli frei – aus dieser Perspektive sah es aus, als würde es die 2000 Höhenmeter vom Gipfel einfach senkrecht hinunter gehen.

Den richtigen Stein, um Vreneli wieder zum Leben zu erwecken, hatten wir leider nicht gefunden, aber wir hatten trotzdem eine sehr schöne und abwechselungsfreie Hochtour, für die wir uns herzlich bei unserem Tourenführer Tim bedanken.

Autor: Stefanie Albrecht