Fadärastein - Chrupspitze - Seewies

22. April 2018, Prättigau.

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Eine Frühlingswanderung in der Schweiz? Eine optimistische Angelegenheit.

Was hat diese Ecke der Schweiz um diese Jahreszeit zu bieten?

Zunächst treffen wir auf die Ortsmitte von Malans, mit historischen Wohnhäusern, modernen Skulpturen, und zahlreichen Brunnen. Schnell wird aus dem Teersträßchen ein Wirtschaftsweg zwischen Rebanlagen, der sich schließlich als Waldweg in Serpentinen den Hang Richtung Fadära hinaufschlängelt. Zwischen blühendem Bärlauch und Obstbäumen hindurch schweifen unsere Blicke in die großartige Berglandschaft. Weiße Gipfel der das Rheintal überragenden 3000er krönen die Frühlingslandschaft im Tal und erinnern an den Winter. Die Temperaturen lassen davon allerdings wenig spüren, weswegen recht zügig zu kurzen Hosen und T-Shirt gewechselt wird; eindeutig ein Sommertag. Immer weiter führt der Weg empor, vorbei an gut platzierten Aussichtpunkten, über in Fels gehauene Steilstufen bis zum Fadärastein. Wieder und wieder bleiben wir stehen, um immer neue An- und Aussichten in das blühende Rheintal unter und die Berglandschaften um uns zu genießen.

Dazwischen bleibt den schnelleren Wanderern genügend Zeit mehr über die bewegte Geschichte des Prättigaus zu erfahren: Der berühmteste Prominente ist wohl Johann Gaudens von Salis-Seewis (1762-1834), der dichtende Offizier, dem Autor von „Bunt sind schon die Wälder“, der regen Kontakt zu seinen Dichterfreunden Goethe, Schiller, Wieland und Herder unterhielt. Gleichzeitig war er zeitweise Generalstabschef der helvetischen Armee und glühender Befürworter der revolutionären Ideen aus Frankreich. Seine Familie musste deshalb im Exil leben, bis es den Franzosen gelang, die Österreicher zu besiegen, erst dann konnten sie zurückkehren und wieder in Malans leben. Eine weitere Berühmtheit wurde hier im dreißigjährigen Krieg erschlagen, Markus Roy, besser bekannt als Kapuzinerpater Fidelis aus Sigmaringen, als er mit Unterstützung österreichischen Militärs versuchte, die reformierten Bündner wieder zurück in den katholischen Glauben zu zwingen. Dieser Tatsache verdankt er denn auch seine Heiligsprechung 1746, was zu abenteuerlichem Reliquienhandel und im 19. Jahrhundert einem Verbot der Wallfahrt der Feldkircher Katholiken zum Märtyrerplatz führte, um weitere Auseinandersetzungen mit den Prättigauern zu vermeiden.

Vom Fadärastein (1163), einem schönen Rastplatz über der Steilwand mit einer grandiosen Sicht zum Pateriol und weiter zu einigen Glarner Gipfeln, führt uns unser Weg über Krokuswiesen, liebevoll angelegten Grillplätzen und an Bergbauernhöfen vorbei zum historischen Gasthaus Fadära, das leider immer noch geschlossen ist. Wir folgen dem Weg durch Wiesen und lichten Wald bis zum Abzweig auf den Crupspitz . Dort lädt wieder eine der zahlreichen Sitzbänke zum Verweilen ein, während eine Infotafel von den selbstbewussten Bündnern berichtet, die, da sie keine Lust mehr hatten für die adligen Herrschaften im dortigen See zu fischen, diesen kurzerhand trocken legten.

Steil ziehen die Kehren nochmals durch den Wald zum Crupspitz (1164), wo uns wieder ein perfekter Aussichtsplatz erwartet, der ideal für ein weiteres Vesper erscheint. Zusammen mit einer sympathischen Schweizer Gruppe teilen wir uns Sitzbänke und Aussicht. Der Schnee, der hier auf der Nordseite noch vor 2 Wochen lag, ist bereits spurlos verschwunden. Stattdessen finden wir schon Huflattich, Pestwurz und Germer. Unglaublich, wie schnell hier alles gedeiht.

Wir überqueren einen Bach und finden einen kleinen Wiesenpfad, der uns durch eine typische Walserlandschaft, an massiven Holzscheunen vorbei zum Ortsrand von Seewies führt. Hier prallen dann doch moderne Neubauten und jahrhundertealte Bauernhäuser aufeinander. Der Pfad wird zu einem schmalen Sträßchen. Wir beschließen, den im Führer erwähnten Pavillon zu suchen. Der Pavillon stellt sich als unspektakulär heraus, die Aussicht auf Seewies und das noch tief verschneite Montafon mit Schesaplanamassiv aber laden zum Verweilen ein – sicher tragen die hier platzierten Sitzgelegenheiten ihr Weiteres dazu bei.

Nach einer kurzen Rast auf der Kurhausterrasse begeben wir uns auf den Abstieg über den „alten“ Weg nach Grüsch, von wo wir durch die Chlus zwischen den Weinbergen hindurch nach Malans zurückkehren.

Autor: Beate Shaw