Genuss-Hochtour aufs Vrenelisgärtli

20. Oktober 2018 - 21. Oktober 2018, Glarus / Glärnisch Hütte.

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Der Sage nach lebte einst ein furchterregender und erbarmungsloser Berggeist in den Bergen um Glarus. Dieser hatte eine wunderschöne Tochter namens Vreneli, welche er in einem von spitzen Felsen umzäunten Garten versteckte. Nachdem er seine Tochter in flagranti mit einem Jüngling erwischte, verwandelte er diese in einen Stein und der Garten wurde von Eis und Schnee überzogen.  Es heißt in der Sage, man könne Vreneli wieder zum leben erwecken, wenn man den richtigen Stein dreimal küsst.

An einem schönen Samstag machten wir uns zu Acht auf den Weg, um das Reich des Berggeistes in den Glarner Alpen zu erkunden. Die Bilder, die wir im Internet vom Vrenelisgrätli gesehen hatten, verhießen schroffe Felswände, schmale, schwindelerregende Grate und schneebedeckte Berge. Davon sahen wir aber erst einmal nichts als wir gegen 12 Uhr den Parkplatz am Klöntaler See erreichten, denn im Tal waberten dicke Nebelschwaben umher. Der Aufstieg zur Glärnisch Hütte (etwa 1200 Höhenmeter) führte uns zunächst auf einer Fahrstraße durch einen Wald. Mit jedem Höhenmeter wurde der Nebel lichter und als wir aus dem Wald heraustraten, präsentierte sich die Bergwelt des Glärnisch in voller Schönheit. Am Ende der Fahrstraße stiegen wir über einen schmalen, steilen Pfad weiter auf und erreichten die Hütte gegen 15 Uhr – genügend Zeit um den leckeren Kuchen zu verspeisen, ein Bierchen oder Panaché (Radler) zu genießen und ein Nickerchen in der warmen Sonne zu halten. Es war übrigens der letzte Tag der Saison, an dem die gemütliche Hütte geöffnet hatte und zum Abendbrot bekamen wir alle noch reichlich Nachschlag von dem köstlichen Essen.

Nach einer angenehmen Nacht (niemand hat geschnarcht) war am nächsten Morgen gegen 7 Uhr in der Morgendämmerung Abmarsch. Bis zum Gipfel des Vrenelisgärtli waren noch etwa 900 Höhenmeter zu bewältigen. Der Weg war zunächst steil und führte an hohen Felswänden vorbei, die die Herzen der Kletterer unter uns höherschlagen ließen. Schließlich erreichten wir den Gletscher. Der Anstieg war ab hier größtenteils relativ flach und es gab eigentlich keine nennenswert großen Gletscherspalten. In der Ferne erspähten wir einige Schneehühner.

Nach einem Firnfeld erwartete uns die Schlüsselstelle der heutigen Tour, eine etwa 40 Meter hohe, fast senkrechte Felswand, die es ab zu klettern galt. Die Wand war aber mit Drahtseilen und Eisenstiften gut gesichert und nach einer Abseilaktion gelangten wir alle sicher hinunter. Der weitere Weg führte über den schmalen Schwander Grat mit Blick auf den 2000 Meter tiefer liegenden Klöntaler See zur einen Seite und dem Tödi auf der anderen Seite. Um halb 12 erreichten wir den Gipfel vom Vrenelisgärtli und konnten das traumhafte Bergpanorama unter dem fast wolkenfreien Himmel genießen. Es wehte ein kalter Wind, aber zwischen den Felsen fanden wir geschützte Stellen um uns die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen und den Ausblick zu bewundern.

Auf dem Rückweg kehrten wir noch kurz in der Glärnisch Hütte ein, welche von den Hüttenwirten gerade winterfest gemacht wurde. Es standen trotzdem noch ein paar Stücken Kuchen für uns bereit und Christof ergatterte den letzten Rösti der Saison, auf den der Rest der Gruppe etwas neidvoll schaute. Bei beginnender Dämmerung und heraufziehenden Nebelschwaden erreichten wir gegen 18 Uhr wieder den Parkplatz und machten uns auf den Heimweg. Am Ende des Sees gab der Nebel noch einmal einen Blick auf den Schwander Grat und den Gipfel des Vrenelisgärtli frei – aus dieser Perspektive sah es aus, als würde es die 2000 Höhenmeter vom Gipfel einfach senkrecht hinunter gehen.

Den richtigen Stein, um Vreneli wieder zum Leben zu erwecken, hatten wir leider nicht gefunden, aber wir hatten trotzdem eine sehr schöne und abwechselungsfreie Hochtour, für die wir uns herzlich bei unserem Tourenführer Tim bedanken.

Autor: Stefanie Albrecht