Gratklettern am Furkapass

10. Juli 2018 - 14. Juli 2018, Furkapass / Sidelenhütte.

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Bei gutem Wetter fuhren wir Mitte Juli das Rheintal aufwärts über den Oberalppass in die Urner Alpen. Wir waren zu sechst, geführt von Holger. Vom Furkapass stiegen wir  zur gemütlichen und freundlich bewirteten Sidelenhütte (2708m), die wir um die Mittagszeit erreichten. Schnee gab es immer noch reichlich, er reichte bis zur Hütte hinunter, so dass wir für die Anstiege in dieser Woche regelmäßig Pickel und Steigeisen bemühten. Da das Wetter hielt und genug vom Tag übrig war, säumten wir nicht lange, sondern nahmen umgehend den kurzen Zustieg zum beliebten Schildkrötengrat  (W-Grat, 4+, Stelle A0) am Chli Bielenhorn (2940m) unter die Sohlen. Der späte Einstieg hatte den Vorteil, dass wir den wegen seiner Kürze (200 Klettermeter), Hüttennähe und guter Absicherung sehr beliebten Anstieg für uns hatten. Über den scharf gezackten Urner Granit ging es in unterhaltsamer Kletterei  in zwei Dreierseilschaften zum nicht sonderlich prominenten Gipfel, von dem sich ein guter Ausblick auf die Ziele der kommenden Tage bot. Früh am nächsten Morgen stiegen wir über den harten Firn zum großen Bruder des Vortagesgipfels auf, dem Gross Bielenhorn (3204m). Vorbei an den beiden berühmten Kamelen (auch durch eine Werbeaktion der Firma Mammut populär geworden, die 2014 26 Bergführer auf dem kleinen Kamel ablichtete)  ging es zum Einstieg des klassischen Südostgrates (5c+, meist 4-5,  450m). In herrlicher Kletterei ging es in Zweierseilschaften nach oben. Die Absicherung war gut und konnte mit eigenem Material zweckmäßig  ergänzt werden. Am Ende des eigentlichen Grates seilten wir in eine Scharte ab. Von dort aus sollten es noch 150 leichte Klettermeter (maximal 3+) zum Ostgipfel sein. Allerdings war das blockige Gelände sehr unübersichtlich und die Wegführung überraschend unklar, was uns zu allerlei zeitfressenden Seilmanövern zwang, bis wir endlich am Gipfelkreuz standen. Auch der Abstieg mit so einigen Abseilstellen zog sich, so dass es ein langer, sehr ausgefüllter Tag wurde.  Das Wetter blieb uns gewogen, und so nahmen wir am Donnerstag die Hochtour auf den Galenstock (3586m) in Angriff.  Hubert ließ sich auch durch eine abgelöste Bergschuhsohle nicht abhalten, er behalf sich mit Kabelbindern.  Wir stiegen über den Sidelengletscher zum Einstieg des Südostsporns auf. In schöner griffiger Kletterei im besten Granit (2-3, Stelle 4) ging es hinauf zum Galengrat und von dort auf die verfirnte Gipfelkuppe. Trotz blauen Himmels waren wir auch dort allein. Fantastisch der Blick in die Berner und Walliser Alpen. Die Abseilpiste vom Galengrat war bemerkenswert gut ausgebaut – dort, wo kein natürlicher Standplatz vorhanden war, war einfach eine Metallplattform an die Wand gedübelt.  Sportlich war am Ende der Schwung über die Randspalte des Sidelengletschers  in Tarzantechnik. Am nächsten Tag ging es bei immer noch  bestem Wetter über die untere Bielenlücke hinüber zum Tiefengletscher,  auf das Strahlengrätli (3+, 250m). Auch dies eine schöne und ebenfalls gut gesicherte bzw. zu sichernde Kletterei, die wir mit niemandem teilen mussten.  Am Abreisetag nahmen wir noch einige Seillängen gutmütiger Plattenkletterei am Furkapass mit, hoch über dem Rhônegletscher, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Herrliche Tage, herrliche Touren, alle gesund heimgekommen – Danke, Holger!

Autor: Volker Mahlbacher