Eisklettern im Pitztal

04. Februar 2018 - 06. Februar 2018, Sankt Leonhard im Pitztal.

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Anspruchsvolles Klettern im Winter: vielleicht denkt man dabei erst einmal an festen Fels in südlich ausgerichteten, talnahen Wänden, die in der Sonne schnell ausapern. Es geht aber auch ganz anders, denn der Sonne gegenüber auf der dunklen Seite im Schatten locken noch ganz andere Strukturen, die beklettert werden wollen, wenn es am Kältesten ist: Wassereis!

Um das Eisklettern besser, oder in meinem Fall überhaupt erst einmal kennenlernen zu dürfen, machten sich am Sonntagabend Christof, Tobi und Markus unter der Anleitung des sehr erfahrenen Eiskletterers Holger auf ins Pitztal, das Auto vollgepackt mit Kletter- und Wintersachen.

Am Zielort angekommen zeigte das Thermometer die erhofften Minusgrade und wir holten uns bei einem saftigen Steak vom Pitztaler Urrind erst einmal Vorschusslorbeeren. Später gab Holger anhand der Folien eines Vortrags vom Sektionsabend einen Überblick über Wissenswertes zur Vorbereitung und Durchführung von Eisklettertouren: Welche Arten von Eis gibt es und wie verhält es sich? Welche Rolle spielt die Lawinenlage im Zustiegshang und v.a. oberhalb der Kletterroute? Wie wird mit Eisschrauben im Eis gesichert? Spielarten, wie Mixed-Klettern, Drytooling, die Schwierigkeitsgrade dabei etc.

Am nächsten Morgen ging es los in Richtung Taschachschlucht, wo wir jedoch erfahren mussten, dass der Zugang an diesem Tag nicht möglich ist, da von einer Brücke über die Schlucht, auf der die Skipiste verläuft wegen Präparierung Schnee in die Schlucht fällt. Daher ging es am Montag erst einmal zum Fallebachfall, an dem wir nach einem kurzen Zustieg durch den tief verschneiten Wald ankamen. Im unten weniger steil auslaufenden Teil des Wasserfalls machten wir erste Übungen zu den Grundlagen des Eiskletterns: Parallel- und Diagonaltechnik zur Fortbewegung, Setzen von Eisschrauben, das Bauen eines Abseilstands mit einer Abalakov-Eisuhr. Um Klettern zu üben, hängte uns Holger ein Toprope ein, denn beim Eisklettern gilt aufgrund der erhöhten Verletzungsgefahr durch Steigeisen und Eisgeräte: Stürzen verboten!

Beim Klettern selbst wird einem zwar nicht kalt, auch wenn einem als Anfänger gerne mal mehr und weniger große Eisbröckchen ins Gesicht fliegen, weil man die Eisgeräte nicht so gezielt setzen kann. Aber beim Sichern oder Zuschauen hilft es einem wenig, dass auf die gegenüberliegende Wand die Sonne scheint, man selbst aber im Schatten steht. Eine gewisse Resistenz (oder Gleichgültigkeit?) der Kälte gegenüber schadet also nicht. Nach einem gut gefüllten Tag kehrten wir zu unserer Unterkunft zurück und ließen uns ein gut bürgerliches und reichliches Abendessen schmecken.

Am zweiten Tag konnten wir dann doch in die Taschachschlucht. Diese bietet zunächst einen im Winter landschaftlich beeindruckenden Zustieg sowie eine recht vielseitige Auswahl an verschieden schwierigen Eisstrukturen. Hier konnten wir an diesem Tag die Übungen vom Vortag vertiefen, weiter Klettern üben und Übungen zum Vorsteigen im Eis machen – ebenfalls alles im Toprope gesichert. Wer zum Schluss wollte und noch Kraft hatte, konnte auch noch eine Drytooling-Route in einem Felsüberhang ausprobieren.

Besonders beeindruckend in diesen zwei Tagen fand ich die Übung zum Klettern ohne Eisgeräte, also nur mit sauberem Gehen mit Steigeisen an dem doch recht steilen Wasserfall am Montag; natürlich ebenfalls im Toprope gesichert. Hier zeigte sich, wie sehr es auf einen guten Stand und Gleichgewicht auf den Füßen ankommt. Als sowohl Kletter- als auch Eiskletteranfänger hatte ich offenbar viel zu oft das Gefühl immer nur am langen Arm an den Eisgeräten zu hängen. Beim Eisklettern kommt es also gleich doppelt auf die richtige Technik an: die Ausrüstung muss (einem) wirklich gut passen und auch die Bewegungstechnik inkl. der körperlichen Voraussetzungen.

Vielen Dank zum Schluss an Holger für die gute Planung und routinierte Durchführung der Veranstaltung!

Autor: Markus Bauer