Piz Palü Überschreitung & Piz Bernina

26. August 2017 - 29. August 2017, Engadin.

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Im Reich der Diavolezza

Am Samstag ging es um 6.00Uhr in Biberach los. Mit Auto und Bergbahn kamen wir schnell und bequem zu unserer Unterkunft auf der Diavolezza. Der Begriff Hütte wäre sicherlich untertrieben, Unterkunft und Bewirtung ließen keine Wünsche offen. Nachmittags wurden die Kenntnisse der Spaltenbergung aufgefrischt und im Rahmen einer kleinen Eingehtour der Weg auf den Gletscher ausgekundschaftet. Dieser musste am nächsten Morgen in Dunkelheit bewältigt werden.

Um 4 Uhr am nächsten Tag ging es los. Die ganze Mannschaft brach zum Gletscher auf. Und schon an diesem Morgen sollte uns bewusst werden, dass wir im Reich der Diavolezza (die Teufelin) unterwegs waren: alle Stirnlampen leuchteten hell, bis auf eine. Doch trotz kleiner Neckereien der Diavolezza, erwartete uns nach ein paar hundert Höhenmetern ein grandioser Gletscherbruch, mit beeindruckenden Spalten und Eisformationen. Bei aufgehender Sonne gönnten wir uns die erste Pause und fanden den Weg durch das Spaltenlabyrinth. Weiter ging es über einen zunächst steilen dann luftigen Firngrat. Diesem folgend überschritten wir den Ost- und Hauptgipfel des Piz Palü (3901m) und gelangten zum Piz Spinaz.

Hier kletterten wir über sonnengewärmte, meist große Granitblöcke, auf dem wiederum sehr luftigen und aussichtsreichen Grat, in die Fuorcola Bellavista hinab. Über die Terrassen der Bellavista und den spaltenreichen Morteratsch-Gletscher ging es Richtung Hütte. Doch auch auf diesem Wegabschnitt wollte die Diavolezza uns necken. Sie sandte und den Steigeisen-Teufel. Viele Male wollten die Steigeisen andere Wege nehmen wie ihr Besitzer. Dennoch erreichten wir zufrieden und voller guter Laune die Marco e Rosa Hütte auf der italienischen Seite.

Am Montag sollte es bei unsicherem Wetterbericht (Diavolezza lässt grüßen) auf den Piz Bernina gehen. Wir starteten um 6.00 Uhr über den steiler werdenden Gletscher zum Fuß des Spallatgrats. Der Steigeisenteufel begleitete und weiterhin. Allerdings war er wohl stärker als der Wetterteufel, sodass wir trockenen Fußes, mit einigen Steigeiseneinlagen, weiter konnten. Wir kletterten über den gut zu sichernden Felsgrat, mit kurzen eingelagerten Firngraten, auf den Gipfel des Piz Bernina (4049m). Dort genossen wir unser Vesper und die Aussicht auf das ganze Gebirgsmassiv.

Auf dem Rückweg ließen wir uns durch kurzen Schneefall nicht aufhalten und gelangten wohlbehalten, über mehrere Abseilstellen, zurück zur Marco e Rosa Hütte. Dort erwartete uns ein wiederkehrendes drei-gängiges Abendessen, aus dem man sich das Beste heraussuchen konnte. Erwähnenswert ist noch die, für italienische Hütten typische, gute Weinkarte.

Am nächsten Morgen stand der Rückweg zum Berghaus Diavolezza an. Draußen pfiff der Wind und heulte durch das Gebälk der Hütte. Umso erfreulicher war der Blick aus dem Fenster, die Wolken des Vortags waren vertrieben. Man sah blauen Himmel und strahlender Sonnenschein kündigte sich an. Zurück führte uns unser Weg über die Terrassen der Bellavista zum Fortezzagrat, der uns mit mehreren Abseilstellen, kraftsparend, zunächst auf den Fortezza- und dann auf den weitläufigen Persgletscher brachte. Es folgten noch eine Durchquerung des Gletschers und ein kurzer aber anstrengender Gegenanstieg, bevor wir auf der Terrasse der Diavolezza das grandiose und überwältigende Panorama bei kühlen Getränken genießen konnten.

Vielen Dank an Sandra für die Planung und umsichtige Führung dieser großartigen Tour!

Autor: Lydia Muys