Klettern um die Darmstädter Hütte

18. Juli 2017 - 23. Juli 2017, Verwall.

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In der zweiten Julihälfte ging es unter Holgers kundiger Leitung ins Verwall, zur Darmstädter Hütte (2384m), zum Klettern. Wir waren zu sechst. Wie so oft im Juli war die Wetterlage instabil, und als wir vormittags in St. Anton ankamen, warteten wir erst einmal den Niedergang eines heftigen Gewitters im Auto ab. Kurz nachdem  wir uns dann mit den schweren Rücksäcken voller Seile und Metallwaren auf den langen, langen Hüttenzustieg aufgemacht hatten, erlebten wir eine angenehme Überraschung: Der Vater des Hüttenwirts passierte uns mit dem Auto und bot uns an, unsere Rücksäcke zur Hütte mitzunehmen. Das war in der Tat eine große Erleichterung, die uns den langen Hatsch auf dem Fahrweg sehr viel angenehmer machte. Nach kurzer Hütteneinkehr nutzten wir den nahegelegenen Klettergarten „Schneekönig“, um uns in den gut gesicherten Einseillängenrouten bis zum unteren siebten Grad mit dem lokalen Gneis vertraut zu machen. Zum Abendessen konnten wir dann erstmals das kulinarische Glanzlicht der Hüttenküche genießen, die große Auswahl liebevoll selbst gemachter Knödel.

Am nächsten Morgen sah das Wetter zunächst einmal gar nicht so schlecht aus. Wir machten uns auf zur „Kirche“, einem gut 200 Meter hohem Felsriegel, der Küchelspitze vorgelagert und vom Küchelferner eingerahmt, der einige Mehrseillängenrouten bietet.  Wir stiegen in zwei  Dreierseilschaften in die „Ministrantenrennbahn“ (V) ein. Nach dem ersten Stand  zweigte die eine Seilschaft in das „Fegefeuer“ (V+) ab, einem langen und schönen Körperriss am sogenannten Beichtstuhl, während die andere die Rennbahn weiter unter die Hufe nahm. Oben trafen wir wieder zusammen, vom Beichtstuhl führte eine schwere, nasse und heikle Verbindungslänge (VI) zurück zum Ausstieg der Ministranten, die souverän von Holger geführt wurde. Beim Abseilen erwischte uns dann doch ein kräftiger Regenguss und wir trabten begossen zur Hütte zurück. Das Schlechtwetter des Nachmittags konterten wir durch Bouldersessions in der Hütte, deren Innenwand einige interessante Probleme bereithielt. Sogar Crashpads gab es. Und bald war wieder Knödelzeit.

Am Freitag machten wir uns auf, um über den versicherten Südgrat das Gipfelkreuz der knapp 3000m hohen Westlichen Faselfadspitze (2993m) zu erreichen. Eine schöne Tour, die großartige Blicke auf die beeindruckende  Nordostwand der gegenüber liegenden  Kuchenspitze gestattete. Im Abstieg machten wir Halt an den Weisskopfplatten, um dort einige Seillängen der vorzüglich gesicherten Kletterrouten im 5ten und 6ten Grad zu  klettern. Wieder vertrieb uns einsetzender Regen. In einem direkt bei der Hütte gelegenen Klettergarten („Schweinestall“) gelangen uns später noch einige Längen in den Regenfenstern, bevor die Knödel riefen.

Für den letzten Tag war immer noch kein ausreichend stabiles Wetter in Aussicht, dass uns unser geplantes Highlight, die 10 Seillängen der “AKW (V-) an der östlichen Faselfadspitze ermöglichen sollte. So suchten wir den Klettergarten weiter östlich an der gleichen Wand mit seinen doch auch immerhin fünf Seillängen langen Routen auf. Jeweils zwei schöne Touren  gelangen unseren beiden Dreierseilschaften, der „Gschenkta Satz“ (V) und die „Totale Absolution“ (VI+), und so kamen wir dann doch auch auf die zehn Seillängen. Das Wetter hielt an diesem Tag erstmals durch, und erst am Abend waren wir gerade noch rechtzeitig bei den Knödeln.

Fazit: auch bei schwierigen Wetterbedingungen gelangen uns schöne Touren und ausgefüllte Klettertage in einer großartigen Landschaft. Wir haben uns auf die Bedingungen eingestellt, waren flexibel, und  jeden Tag ging irgendetwas. Riesendank an Holger, der das möglich machte!

Autor: Volker Mahlbacher